kyssandrevanzyra

 

* Startseite     * Archiv     * Gästebuch     * Kontakt



* Themen
     Übersetzungen der Seraphiel
     Visionen
     OOC...
     Geschichtsbuch
     Gedichtbuch
     Kyssandre van Zyra






Absurdum

„Was wünscht Ihr?„ Seine melodische, leise Stimme klang demütigund er vermied sie anzusehen. Zur Antwort erklang ein leises, spöttisches Lachen. Vor Erstaunen sah er nun doch zögerlich auf und begegnete ihren kalten, leuchtenden Augen. „Was ich wünsche ist nicht von Bedeutung. Schaut mich nicht so an! Nicht Bescheidenheit lässt mich so sprechen.„ Erneut lachte sie leise. Ein Unterton von Überheblichkeit schwang in diesem Lachen mit. „Was wünscht Ihr?„ Die Frage beunruhigte ihn sehr. Sie sah ihn mit eine Spur Neugier lange an. „Was begehrt ihr? Macht? Reichtum? Ich habe bereits beides. Sollte ich also etwas "wünschen" nehme ich es mir einfach!„ Es schien als könne er ihr Arroganz nicht fassen. „Nun gut. Kommen wir zum eigendlichen Grund Eures Aufenthaltes hier.„ Sein Blick flackerte und er schluckte schwer. Er glich einem Lamm, welches man zur Schlachtbank führte. Heimlich amüsierte sie sich ein wenig. Doch schliesslich, nachdem sie ihn ein wenig zappeln lassen hatte fuhr sie mit förmlicher Stimme fort. „Die Mitglieder des Rates haben beschlossen, dass Ihr es wert seid, einer von uns zu werden. Ab sofort seid Ihr mir direkt unterstellt. ...Willkommen "Erwachter" ...„ Er verneigte sich tief vor ihr, erwiederte mechanisch: „Habt Dank"Seherin" ..„ und schien es nicht zu realisieren. Nach einigen Minuten der Stille schnippste sie ungeduldig mit den Fingern. Augenblicklich erschien ein Diener, der ihm den Weg zu seinen Räumen wies.Kurz nachdem die Männer den Raum verlassen hatten, begann ihr Blick starr zu werden. Ihr Körper verkrampfte sich plötzlich, sie keuchte erschrocken auf und wandte sich wie im Wahn. Hart prallte sie auf dem steinigen Boden auf und blieb zuckend liegen. Erst nach einiger Zeit erschlaffte sie geschwächt. Noch einige Minuten benötigte sie bis sie flackernd die Augen öffnen konnte. Sofort rief sie mit leiser Stimme nach einem Diener und befahl ein Reittier bereit zu machen. Dann eilte sie in ihre Gemächer und trank hastig einen ihrer Tränke. Ihre Beunruhigung schien ungewöhnlich und so beeilte sich der Diener diesem Befehl folge zu leisten ausserdem fürchtete er eine Strafe falls er zu langsam wäre. Kurze Zeit später brach die Seherin in einem halsbrecherischem Tempo auf in Richtung Unterstadt....Einige sehr unterschiedliche Personen saßen zur gleichen Zeit in einem der ruhigeren Privaträume der Unterstadt an einer runden Tafel. Sie erwarteten ihren König. Eigendlich hätten dort zehn Personen sitzen sollen und die Missbilligung über das unerwartete Fehlen der einen Person war deutlich im Raum zu spühren. Die leisen Gespräche unterbrachen abruppt als ein großgewachsener Mann den Raum betrat. Sein Körper war vollkommen von Schatten umhüllt. Jede seiner Bewegungen zeugten von enormer Selbstsicherheit, als er sich zu dem prächtigsten der elf Stühle begab. Sofort erhoben sich die restlichen Anwesenden um sich huldvoll vor dem Schatten zu verbeugen. Langsam glitt der Blick des Schattens über die Versammelten. Nur kurz verharrte er bei dem leeren Platz, dann setzt er sich zufrieden lächelnd.
22.7.06 11:36


Ein einzelnder Regentropfen traf sanft auf ihre Nasenspitze und zerplatzte in viele winzig kleine Tröpfchen. Auf die Art so plötzlich aus den Gedanken gerissen sah sie sich verwirrt um. Durch das dichte Blätterwerk des Baumes fanden nur vereinzelnd Tropfen den Weg, deshalb hatte sie den Regen nicht bemerkt. Das leise Rascheln der Blätter, das sie nun erst bewusst wahrnahm, hatte eine beruhigende Wirkung auf sie. Vorsichtig, um nicht aus Versehen vom Ast zu fallen streckte sie sich ersteinmal gemütlich, um die müden Glieder zu wecken. Ein kühler Windzug fuhr durch das Geäst, streichelte sanft ihren Rücken und spielte neckisch mit vereinzelnten Haarsträhnen. Ein plötzliches Knacken lenkte ihre Aufmerksamkeit gen Boden. Einige Meter von ihrem Baum entfernt versuchte ein Mensch durch den Wald zu schleichen und versagte dabei jämmerlich. So ungeschickt wie er sich anstellte, würde bald der gesamte Wald von seiner Anwesenheit wissen. Ein boshaftes Lächeln umspielte ihre Mundwinkel. Ohne zu zögern sprang sie. Der weiche Waldboden federte ihren Sprung noch zusätzlich ab und so pirschte sie sich vollkommen lautlos an den ahnungslosen Mann heran. Obwohl er sich ängstlich umsah bemerkte er sie erst als sie es wollte. Mit schiefgelegtem Kopf, sanftem Lächeln und neugierigen schwarzen Augen stand sie ihm plötzlich gegenüber und beobachtete ihn stumm. Ein verängstigter Schrei hallte fast augenblicklich durch den Wald. Kyssandre stand an einen Baum gestützt um nicht vor lachen umzufallen. Amüsiert kichernd wischte sie sich Tränen aus den Augenwinkeln und sah dem flüchtenden Mann nach.
22.7.06 11:36


Devanthus Flammen

Blut spritzte in ihr Gesicht. Es störte sie nicht. Überraschend hatte sie ein seltsames Gefühl beschlichen. Hier, in einer einsamen Höhle fernab vom Wegesrand. Doch obwohl sie sich aufmerksam umsah bemerkte sie niemanden. Mit zunehmender Beunruhigung musterte sie den Tauren der plötzlich aus dem Schatten auf sie zukam. Seine dunkle Kleidung hatte ihn gut verborgen, doch nun zeigte er sich endlich. Mit schiefgelegtem Kopf beobachtete sie ihn, wohl wissend, dass ihr Herz zu schnell schlug. Irgendetwas Seltsames ging von ihm aus. Eine unbekannte Angst schnürrte ihr die Kehle zu. Seine Stimme klang ruhig als er sie ansprach. „Wir sind uns bereits begegnet Kyssandre.„ Innerlich erbebte sie, doch äusserlich blieb sie ruhig als sie erwiederte „Ja, ich erinnere mich.„ Der Taure trat auf sie zu, nur mühsam unterdrückte sie ihren Fluchtreflex und blieb stehen. Die sanfte Berührung seiner Hand auf ihrer Stirn lies sie innerlich zusammenzucken. Plötzlich flammte ein Bild vor ihren Augen auf. Tosendes Meer. Mit vor Erstaunen geweiteten Augen blickte sie ihn an. „Wie..?„ „Ich spühre das Verlangen tief in dir.„ Sein Totenkopfstab erzitterte, der Taure trat zurück. „Ich kann dir helfen es zu beherrschen.„ Sie lächelte unsicher. Tausend Gedanken rasten durch ihren Kopf. „Du möchtest mir helfen? Versuch dein Glück..„ Lautes Lachen wurde von den Wänden zurückgeworfen, hallte gespenstisch nach und verunsicherte sie noch mehr. „Versuch dein Glück..? Nein, du musst dich erst beweisen!„ Ihre Augen verengten sich. „Geh nach Booty Bay, dort wird in der Taverne ein Orc auf dich warten. Alles weitere erfährst du von ihm.„ Bevor sie sich gesammelt hatte, überhaupt irgendetwas sagen oder anders reagieren konnte, erhob er seinen seltsamen Stab, setzte sich und verblasste. Unschlüssig wartete sie einige Minuten, dann verliess sie die Höhle mit schnellem Schritt in Richtung Booty Bay.
Das kühle Wasser des Meeres klärte ihre Gedanken etwas und brachte sie zur Besinnung. Woher auch immer Lareyne von ihrer dämonischen Seite wusste, er hatte ihre Neugier geweckt. Booty Bay. Die Stadt der Gobblin und Piraten. Lang war es her seit sie das letzte Mal hier an Land gegangen war. Die untergehende Sonne färbte den Horizont in ein helles Rot und weckte Erinnerungen. Sie erinnerte sich an die vielen Gobblinleichen bei ihrem letzten Besuch, den intensieven Blutgeruch und den rot gefärbten Boden und beschloss sich hier lieber nicht offen zu zeigen.Vorsichtig schlich sie sich vom Meer aus hoch in die Taverne, um nach dem Ork Ausschau zu halten und wurde im oberen Stockwerk fündig. Nach kurzem Geplauder wurde er ernst. „Lareyne hatte einen guten Deal am laufen..nur kam ihm ein Hexer dazwischen. Der Hexer stahl ein wichtiges Rezept, um es selbst zu verkaufen. Sein Name ist Arlithus...„ Kyssandre zuckte zusammen. Arlithus? Ihre Gedanken überschlugen sich. „Lareyne ist ziemlich wütend deswegen. Deine Aufgabe: Finde Arlithus, erteile ihm eine Lektion, besorge das Rezept und finde heraus wer der andere Dealer ist. Es gibt in den Sümpfen des Elends einen verfallenen Turm, dort soll Arlithus momentan hausen. Irgendetwas nicht verstanden? Gut, dann geh. Lareyne erwartet dich später am Wasserfall in Stranglethorn. Ach.. du solltest nicht versagen.„ Sie blickte ihm mit gemischen Gefühlen nach.
Die düstere Umgebung der Sümpfe passte ausgezeichnet zu ihren Gefühlen. Der Turm war schnell gefunden nur ihre Entschlossneheit war ihr Unterwegs abhanden gekommen. Verborgen in den Schatten schlich sie auf den Turm zu. Schon aus einiger Entfernung sah sie den ihr so bekannten Hexer und folgte ihm unauffällig. Arlithus, ein ehemaliges Mitglied ihrer Familie und ein guter Freund. Jetzt, da sie dirket hinter ihm stand wankte ihr Entschluss ihn niederzuschlagen erneut. Einige gute Gelegenheiten liess sie verstreichen, dann entschied ihr Blut. Laut rauschte das Verlangen in ihr, dann begannen die Stimmen in ihrem Blut zu schreien. Lektion erteilen...nicht töten.. Langsam färbten sich ihre Augen schwarz und ein Lächeln umspielte ihre Mundwinkel. Nur wenig später beugte sich Arlithus interessiert murmelnd über eine Pflanze am Wegesrand. Auf diese Gelegenheit hatte Kyssandre gewartet. Lautlos kramte sie eine leere Flasche aus ihrem Beutel, holte nach kurzem zögern weit aus und schlug kräftig zu. Der Hexer brach augenblicklich zusammen. Rasch durchsuchte sie seine Taschen, da er die Formel nicht besonders geschützt mit sich trug wurde sie auch schnell fündig. Seine Unvorsichtigkeit verwunderte sie, doch es sollte sie nicht interessieren. So verschwand sie erneut in den Schatten, um in sicherer Entfernung zu warten. Fluchend, mit schmerzendem Kopf richtete sich der Hexer einige Zeit später auf. Verwundet sah er sich um, konnte jedoch niemanden entdecken und da die Zeit bis zur Übergabe knapp wurde zog er erbost vor sich hinmurmelnd weiter. Mit schlechtem Gewissen folgte Kyssandre ihm in einigem Abstand bis zu einem Turm in einem Gebirge. Der Hexer murmelte vor sich hin, drückte ein kleines lilanes Ding, das Kyssandre als eine gestohlene Seele erkannte, in seine Brust und stapfte die vielen Treppen des Turmes hinauf. Die laute Stimme eines Troll ertönte, als Arlithus den letzten Treppenabsatz erklommen hatte. „Eh! Bleib` stehn!„ Ein kurzes, leise geführtes Gespräch folge, doch Kyssandre verstand die Worte nicht. Der Austausch stand kurz bevor, Arlithus griff in die Tasche um das Papier zu überreichen und er griff ins Leere. Ungläubig stammelte er einige Worte vor sich hin, durchsuchte sämtliche Taschen und wurde blass als er nicht fündig wurde. Ein Streit entbrannte zwischen den beiden, da zog der Troll plötzlich eine Schusswaffe und feuerte auf Arlithus. Fassungslos musste Kyssandre mitansehen wie er den Turm hinab stürzte. Der Troll beugte sich über den Rand hinaus um den Aufprall mitanzusehen. Innerlich betete sie, dass das unten am Turm wirklich ein Seelensplitter gewesen war. Ohne länger nachzudenken stiess sie den Troll an. Sein überraschter Schrei hallte ihn ihr nach und sie sank zitternd auf den Boden. Das unbändige Gefühl der Hilflosigkeit kroch langsam in ihr hoch. War das die richtige Entscheidung gewesen? Es war nicht der richtige Zeitpunkt um darüber nachzudenken. Entschlossen rappelte sie sich auf und lief die Treppen hinab. Der Troll hatte den Sturz überlebt. Wütend fluchend zog er Schlagringe aus den Taschen und beugte sich über den leblosen Körper von Arlithus. Kyssandre schlich sich vorsichtig näher, durchtrennte die Kehle des Trolls als er ausholte mit einem Schnitt und verschwand erneut in den Schatten. Der Troll röchelte leise und brach tot zusammen. Arlithus öffnete nur kurze Zeit später die Augen und erhob sich schwerfällig. Erleichterung durchflutete Kyssandre. Zum Glück war es eine Seele gewesen. Dies war einer des seltenen Momente in denen sie froh war über die Fähigkeiten der Hexer. Einige kleinere Wunden schlossen sich, doch es blieb die größere die Kyssandre beunruhigte. "Wer auch immer das gewesen ist wird dafür büßen!" Die Worte von Arlithus klangen in ihr nach und sie empfand fast etwas wie Bedauern bei dem Gedanken ihm womöglich von nun an als Feind gegenüber stehen zu müssen.
Am Wasserfall hob sich die Gestalt eines dunkel gekleideten Tauren vom Horizont ab. Schweigend gesellte Kyssandre sich zu ihm auf den Felsvorsprung. "Hast du das Pergament?" "Ja." Erwartungsvoll streckte er ihr die Hände entgegen und sie reichte ihm das Pergament sowie ein Hemd und die Waffen des Trolls. "Dein Erfolg überrascht mich." Sie grinste. Nach einiger Zeit des Schweigens sah sie ihn fragend an. "Woher weisst du von meiner dämonischen Seite?" "Er weiss alles." Seine Stimme klag bestimmt. "Wenn man etwas verloren hat, das einem sehr wichtig war, wünscht man sich oft es ändern zu können. Stell dir vor du würdest die Möglichkeit bekommen..." "Dann würde ich sie nutzen." Sein Totenschädelstab flammte sehr plötzlich kurz auf und es schien als würde der Schädel sie angrinsen. Er nickte ihr zu. "Wenn du einen Wunsch frei hättest.. Was wäre es?" Sie grinste nur so fragte er weiter. "Der Tod von jemandem?" "Ja, der Tod von jemandem." Neugierig musterte er sie. "Von wem?" Ein einziges geflüstertes Wort verliess ihre Lippen. "Ultio." Er lachte. "Der Name weckt Erinnerungen." Sie sah wieder zum Meer hinaus. "Ich möchte den Wunsch nicht erfüllt sehen." Es war weder Verwunderung noch Neugier in seiner Stimme hörbar als er fragte. "Weshalb nicht?" Ebenso ruhig erwiederte sie. "Es würde meinem Vater das Herz brechen." Einige Zeit herrschte wieder Stille. Gemeinsam genossen sie den Wind der sie umspielte, sahen auf das tosende Meer hinaus und gingen jeder seinen eigenen Gedanken nach. "Du bekommst Nachricht sobald ich einen neuen Auftrag für dich habe." Sie nickte ihm zu. Das Geräusch eines Horns erklang in ihrem Rücken, dann wurde es still. Noch einige Minuten saß sie allein dort, genoss das Geräusch des Wasserfalls und dachte über das Geschehene nach.
22.7.06 11:35


Ein wortloser Abschied

Ein lauter Knall ertönt, als er wütend die Tür hinter sich zuwirft. Auf dem Tisch stehen zwei Tassen; der Tee ist schon lange kalt. Sie sitzt auf dem Boden zwischen dem Sofa und dem kleinen Tisch. Nachdenklich starrt sie auf die Tür, die sich erst vor wenigen Sekunden schloss. Mit einem leisen Seuftzen erhebt sie sich schliesslich langsam. Auf halbem Weg in die Küche dreht sie sich noch einmal um, nimmt die Tassen vom Tisch und setzt den Weg fort. In Gedanken versunken lässt sie heißes Wasser ein. Ihre Bewegungen wirken mechanisch als sie das Geschirr abschrubbt und es zum Trocknen auf die Spühle stellt. Im Wohnzimmerschrank, in der unteren Schublade befinden sich ihre Tabletten ohne die sie in der letzten Zeit nicht mehr schlafen kann. Mit den Tabletten in der einen und ihren Rasiermesserklingen in der anderen Hand schlendert sie ohne zu Zögern in das geräumige Badezimmer. Mit einer Hand lässt sie das Wasser ein, die andere Hand bedient den alten Plattenspieler. Einen Moment fällt es ihr schwer sich zu entscheiden, dann gibt sie wenige Tropfen schwachen Rosenduft in das Wassser und dämmt das Licht. Schnell huscht sie noch ein letztes Mal in die gemütliche, kleine Küche. Dabei schweift ihr Blick zu dem Schlüssel der einsam auf ihrem Sessel liegt. Er hatte ihn von der Tür aus geworfen. Langsam bereitet sie sich einen Schokoladencappuchino. Vorsichtig balanciert sie diesen zum Rand ihrer Wanne um ihn schliesslich in der Ecke abzustellen. Die Kleidung legt sie ordentlich Zusammen und stapelt sie auf einem Stuhl in der Ecke, dann gleitet sie in das warme Wasser. Für einen Moment lehnt sie sich zurück, entspannt sich und schliesst die Augen. Noch ein letztes Mal sinnt sie über ihr Leben, all ihre Fehler nach. Mit ruhiger Hand greift sie nach einem Block auf dem ein einzelnder Stift liegt. Sorgsam schreibt sie einige erklärende und auch tröstende Zeilen nieder und schliesst den Brief mit einer Entschuldigung ab. Den Brief platziert sie gut sichtbar vor der Badewanne. Nicht eine Sekunde zögert sie als sie nach ihren Tablette greift. Ganz genau berechnete sie die benötigte Anzahl und Zeit. Eins... zwei... drei.. Schließlich liegen fünfzehn Tabletten auf ihrer flachen Hand. Nacheinander legt sie alle Tabletten in ihren Mund und spühlt sie mit Cappuchino herunter. Nur einige Minuten später greift sie mit ruhiger Hand nach einer Rasierklinge, setzt sie am Handgelenk an und sticht sie mit leichtem Druck in ihre Haut. Blut bahnt sich den Weg an den Seiten der Klinge zum Handgelenk hinab. Ohne eine Emotion zu zeigen erweitert sie den schnitt bis zu ihrer Armbeuge. Einen Moment betrachtet sie das stetig fliessende Blut, dann wiederholt sie den vorgang an ihrem anderen Arm. Anschliessend legt sie die Klinge behutsam auf der untertasse ihres Cappuchinobechers ab und lässt die Arme vorsichtig ins Wasser gleiten. Nun setzt auch die einschläfernde Wirkung der Tabletten langsam ein. Doch bis sie ihre augen vor Müdigkeit nicht mehr offenhalten kann, betrachtet sie wie sich ihr Blut mit dem Wasser der Badewanne mischt.
22.7.06 11:34


Erinnerungen (1)

Der Regen hatte die brütende Hitze von Stranglethorn in ein angenehmes Klima verwandelt. Zumindest für eine kurze Zeit. Eine sanfte Briese trug die leisen Geräusche des geschäftigen Treibens von Grom`gol an den Strand. Luces beobachtete seine Enkelin die mit dem Zeigefinger zielstrebig ein Muster in den nassen Sand malte. Ihr Augen waren geschlossen und doch malte sie präziese ohne andere Linien zu berühren und ihr leiser Gesang drang an sein Ohr. Die beruhigende Melodie machte ihn schläfrig und er döste rasch ein. Erst einige Zeit später bemerkte er die plötzliche Stille und öffnete misstrauisch geworden die augen. Kyssandre hatte ihn auf ihren Schoß gehoben und kraulte den Kater sanft, während ihr Blick leer in die Ferne gerichtet war. Ein seltsames Gefühl beschlich Luces als er sich umsah. Um Kyssandre herum war ein ungewöhnlicher aus Mustern bestehender Kreis im Sand entstanden. Sanft stubbste Luces sie an und verträumt lächelnd sah sie auf ihn hinab und las die Frage in seinem Blick. Einen Moment wirkte sie fast hilflos und verloren, doch dieser flüchtige Moment verflog zu rasch um Luces zu überzeugen. "Du lagst im Weg.." Er schnurrte leise. Sie wich aus, wie immer. "Was ist das?" Mit dem Kopf deutete der Kater auf das Gemalte. Kyssandre seufzte leise. "Erinnerungen? Ich weiss es nicht." Seufzend erhob sie sich mit einer geschmeidigen Bewegung und hob ihn auf ihre linke Schulter, dann ging sie langsam der Sonne entgegen. Langsam färbte die untergehende Sonne den Horizont in einen sanften orange-rosa Ton. Der glutfarbende Ball, den die Sonne bereits bildete, wurde nach und nach vom weiten Meer verschluckt. Während die ersten Sterne am verblassenden Himmel sichtbar wurden, erklomm der fahle Halbsichelmond langsam das Himmelszelt. Vereinzelt jagte der Wind verirrte Schäfchenwolken umher.Mit kräftigen Zügen durchfurchten ihre schlanken Arme das kühle, erfrischende Meereswasser. Ein tiefer Atemzug füllte ihre Lungen vollkommen mit lebensspendendem Sauerstoff, dann tauchte sie weit unterhalb der Wasseroberfläche in der wohltuende Stille. Kleine Fischschwärme die ihren Weg kreutzten, stoben hektisch auseinander als sie sich näherte. Eine Weile versuchte sie vergeblich, jedoch mit sichtlicher Freude, einen dieser Fische zu ergattern. Der Sauerstoff entwich stetig ihren Lungen und zwang sie schliesslich aufzutauchen. In einiger Entfernung ragte eine kleine Erhebung aus dem Meer. Allein das fahle Licht des Mondes erhellte nun noch die Nacht. Sanft rauschten die Wellen um sie herum und brachen mit deutlich vernehmbarem Plätschern am Ufer der Insel, welche ihr Ziel war. Mit zögerlichen Schritten betrat sie die Insel. Salziges Meereswasser rann in glänzenden Tropfen vom Kopf aus, ihren Körper hinab bis zu Boden, wo es sich im weichen Sand zu ihren Füßen verlor.
22.7.06 11:33


[erste Seite] [eine Seite zurück]  [eine Seite weiter]



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung