kyssandrevanzyra

 

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     Kyssandre van Zyra






Die Visionen (1)

An diesem Abend fiel es ihm wieder einmal schwer einzuschlafen. Selbst im Schlaf fand er keine Ruhe...Schon Tagelang plagten ihn Träume von riesigen Schlachten. So auch in dieser Nacht.
Wieder befand er sich in Mitten einer hitzigen Schlacht. Aufgewirbelter Staub verschlechterte ihm die Sicht und der Geruch von Blut und Tod lag in der Luft. Das laute, aggressive Kampfgeschrei raubte ihm einen Moment die Orientierung.Sehr plötzlich huschte etwas kleines an ihm vorbei. Im ersten Moment rechnete er mit dem Gefühl eines feindlichen Dolches in seinem Körper, doch als der Staub sich ein wenig legt erkannte er eine schmale, fast zierlich wirkende Gestalt die regungslos vor einem breitschultrigen, menschlichen Krieger stand. Sie zog ihr rot leuchtendes Schwert mühelos aus dem Körper des Mannes und stürzte sich auf den nächstbesten Feind. Es scheint als würde sie seinen Blickt bemerken, mit großer Geschwindigkeit tötete sie ihr Opfer und drehte sich langsam um.
Ihr Blick glitt suchend über das Schlachtfeld, bis sie seinem Blick begegnete. Erst jetzt konnte er erkennen, dass es sich um eine Untote handelte. Sie trug schlichte, dunkle Kleidung und ein Paar lilaschwarze Augen musterte ihn neugierig. Nach einem Augenblick verzog sich ihr Mund zu einem strahlenden Lächeln und sie verbeugte sich anmutig vor ihm. Ein scharfer Windzug wirbelte erneut Staub auf und als dieser sich schliesslich legte, war die Untote verschwunden wie eine Fatamorgana. Er stand allein auf einem Feld von Leichen, als einziger Überlebender, umgeben von einer unheimlichen Stille.

Die Szenerie wechselt schlagartig.

Plötzlich, ein Blinzeln später saß er in einer gemütlichen Gaststube. In dem großen Schankraum durftete es nach frisch gebackenem Brot und Bier. Die Luft war vernebelt vom Pfeifenrauch und die Stimmung schien ausgelassen. Der junge, dicke Schankbursche bahnte sich nur mühsam und langsam seinen Weg durch die Menge.
Ein kühler Windzug kündete von neuen Gästen, er schenkte ihnen nur einen flüchtigen Blick und stutzte. Es handelte sich um drei Personen, gekleidet in lange dunkle Stoffmäntel mit Kapuzen die sie weit ins Gesicht gezogen hatten. Zwei der drei Personen waren groß und breitschultrig und die dritte Gestalt, schmal und fast zierlich wirkend war eindeutig eine Frau. Sie bahnten sich zielstrebig ihren Weg durch die Menge. Jede der Gestalten bewegte sich auf ihre Art und Weise fliessend und leicht. Die Bewegungen der Frau glichen ausserdem denen einer Raubkatze auf Beutejagt.Dieser Moment in dem ihm dies alles schlagartig klar wurde erschien ihm lang, doch es war nur ein flüchtiger Augenblick bis die Gruppe aus seinem Blickfeld verschwand. Der dicke Bauch des menschlichen Schankburschens der sich in sein Gesichtsfeld drängte, lenkte ihn von dem Gedanken an diese seltsamen Gestalten ab.



Begegnung mit Thelia (2)

Caim erwachte abruppt von dem Schrei einer Frau. Vergessen waren die seltsamen Träume. Sofort sprang er auf, zog sich im Hinausgehen schnell eine Hose über und rannt so schnell ihn seine Beine trugen auf den Martplatz.
Auf dem Podest des Marktplatzes befand sich der Trupp der ausgezogen war um die verdorbenen untoten Diebe zu jagen. Scheinbar hatten sie Erfolg gehabt. Der Bürgermeister des Dorfes begann eine laute Rede über die Boshaftigkeit und Schuld der Untoten zu halten. Caim drängte sich durch die Menge von Neugierigen hindurch um eine bessere Sicht zu bekommen und lausche den Worten nur mit einem Ohr. Als er die Gefangenen erblickte zuckte er heftig zusammen. Es waren Kinder, kaum älter als seine kleine Schwester. Die Worte des Bürgermeisters verschwommen schlagartig. Fassungslos starrte er die Kinder eine Weile an und empfand nur Mitleid und Schuldgefühle. Er selbst galt innerhalb des Dorfes noch als Kind.Das ausgelassene Jubeln der Menge liess ihn aufhorchen. Der letzte Satz des Bürgermeisters klang den gesamten Tag in ihm nach. „So sollen sie morgen, wenn die Turmuhr zwölf schlägt brennen, um sie von ihren Sünden reinzuwaschen!„ Die Vorfreude der Dorfbewohner bereitete ihm Übelkeit.
Um dem geschäftigen Treiben seines Dorfes zu entfliehen, begab er sich in den nahegelegenen Wald. Tief in Gedanken versunken nahm er das leise Rascheln welches ihm folgte Anfangs nicht wahr. Erst als ein morscher Zweig mit lautem Knacken zerbrach wurde er aus seinen Gedanken gerissen. Verwirrt drehte er sich um. Als er einen Blick hinter sich warf, erblickte er in einigem Abstand eine dunkelgraue junge Wölfin die ihn mit bernsteinfarbenden Augen beobachtete. Caim wich mit klopfendem Herzen einige Schritte rückwärts. Der ruhige Blick der Wölfin blieb auf ihn gerichtet während sie ihm langsam folgte. Plötzliche liess sie ein leises Knurren hören, ihr Blick liess ihn erstarren wie ein Kaninchen vor einer Schlange. Caim nahm nur noch sein laut klopfendes Herz wahr, das sich anfühlte als würde es jeden Moment zerspringen. Die Wölfin setzte sich weniger als einen Schritt von ihm entfernt hin und beobachtete ihn. Als er erneut einen Schritt zurückwich sprang sie mit einem Satz hinter ihn und schob ihn mit der Schnautze in die Richtung aus der er kam.
Sie lief ein Stück weit vor ihm weg um dann auf ihn zu warten. Er folgte ihr langsam und ohne zu wissen weshalb. So lockte sie ihn auf eine schmale Lichtung mit einer kleinen Quelle. Caim konnte sich das Vertrauen der Wölfin gegenüber nicht erklären, doch er folgte seinem Gefühl. So verbrachten sie gemeinsam den Tag auf der Lichtung. Caim, in Gedanken versunken auf einem Stein sitzend, die Wölfin dösend an seiner Seite liegend. Erst als es zu dämmern begann erhob er sich langsam. Er hatte seinen Entschluss gefasst. Sein Blick streifte das Tier neben ihm, ihr Blick lag ruhig auf ihm. Die Ohren der Wölfin bewegten sich, als sie seine leise Stimme vernahm. „Komm Thelia. Es ist Zeit zu gehen..„



Der Aufbruch (3)

Caim hatte Thelia am Dorfrand zurückgelassen. Er packte leise ein wenig Kleidung und Proviant in einen Leinenbeutel, dann schrieb er seiner Ziehmutter einen kurzen Brief. Sein Blick glitt ein letzes Mal durch das spährlich eingerichtete Zimmer, dann verliess er das Haus hastig. Mit schnellem Schritt begab er sich zum "Gefängnis" des Dorfes. Eine halb verfallene Hütte am Dorfrand. Die Wachen hatten die untoten Kinder an dicke Pfähle aus Holz gebunden. Scheinbar dachten sie es wäre unnötig sie zu bewachen, denn es waren keine Wachmänner zu sehen. Caim schlüpfte durch den Spalt der geöffneten Tür und huschte mit gezogenem Dolch zu den Kindern. Sie knurrten und fauchten als wären sie Tiere und die Angst in ihren Augen schnürrte Caim die Kehle zu. Er kniete neben einem Kind nieder, strich über seine Wange. Eher er sich versah biss der kleine Junge ihm in die Hand. Mit einem Lächeln und schnellen Schnitten befreite er die Kinder von ihren Fesseln. Langsam schritt er zur Tür und öffnete sie ganz. Sie quietschte und knarrte furchtbar, sofort verfluchte Caim sich selbst. Einige Wachmänner lösten sich aus dem Schatten neben der Tür. Ihr fassungsloser und vorwurfsvoller Blick liess den Damm der aufgestauten Wut in Caim brechen. Ein dunkler Schatten huschte auf den ersten Wachmann zu und warf ihn mühelos um. Das Entsetzen in den Augen des zweiten Mannes verschaffte Caim eine Art Befriedigung. Ohne lange Nachzudenken gab er sich den leise flüsternden Stimmen in sich hin.
Es dauerte einige Minuten bis Caim wieder klar denken konnte. Sein Blick hing einen Moment an dem fleischigen Etwas das vor ihm auf dem Boden lag. Seine blutdurchtränkte Kleidung und der Dolch in der linken Hand liessen keine Zweifel offen wer den Mann so zugerichtet hatte. Caim wurde übel, als er sich abwandte sah er die Schar untoter Kinder. Sie blickten ihn bewundernd und respektvoll an. Eines nach dem anderen verbeugte sich, dann liefen sie in den Wald und verschmolzen mit der Dunkelheit. Thelia lief mit seinem Beutel im Maul auf ihn zu. Auch ihr Fell war blutbeschmiert. Ein warmes Gefühl der Zuneigung durchflutete ihn.



(4)
Seit Tagen nun folgten Caim und Thelia dem Pfad durch den Wald schon und noch immer war kein Ende in Sicht. Müde und erschöpft liess er sich auf einen umgestürzten Baumstumpf sinken und seufzte gefrustet. Thelia beobachtete ihn mit ihrem ruhigen Blick einen Moment. Schliesslich drehte sie sich um und verschwand im Dunkel des Waldes. Caim sah ihr lächelnd nach. Er wusste, sie würde ein Kaninchen oder irgend ein anderes Kleintier jagen damit er etwas zu Essen hatte. Und er wusste, ohne sie hätte er den weiten Weg bis hierher nicht bewältigt. Nach einiger Überwindung rappelte er sich auf, um trockenes Holz für ein wärmendes Feuer zu sammeln. Es war wie ein allabendliches Ritual der ungleichen Weggefährten. Sehr rasch kam Thelia an diesem Abend mit einem großen Kaninchen zurück, gerade als Caim das Holz zum brennen gebracht hatte. Mit seinem Dolch zog er dem Tier zögerlich das Fell ab und begann anfangs wiederwillig, später mit einer ihn beinahe erschreckenden Routine die Innerein aus dem Tier zu entfernen. Das Herz gab Caim Thelia, die Reste vergrub er in einer kleinen Kuhle. Wie jeden Abend bleib von dem Kaninchen nicht mehr als das Fell übrig. An einander angekuschelt schliefen sie schliesslich nahe des Feuers ein.
Stetig von den nassen Bäumen tropfender Regen weckte Caim früh am nächsten Morgen. Müde gähnte er, versuchte sich auf die andere Seite gerollt noch ein wenig auszuruhen, als eine nasse Zunge ihm übers Gesicht fuhr und ihn damit vollkommen weckte. Sein leises Lachen als Reaktion auf ihr Art ihn zu wecken fasste Thelia als Aufforderung zum spielen auf und lief seinen Umhang im Maul einige Schritte weit davon. Caim erhob sich, streckte sich und warf einen missmutigen Blick auf den mit grauen Wolken überzogenen Himmel. Er schulterte seinen Beutel, legte seinen Umhang an und folgte mit Thelia an seiner Seite weiter dem Weg zum Waldesrand.



Ein halbes Jahr später... (5)

Am Abend, in einiger Entfernung zur Unterstadt versuchte eine junge Untote ihr vor nicht allzulanger Zeit neugewonnenes Leben zu retten. Langsam und vorsichtig schlich sie durch das Unterholz. Behutsam setzte sie einen Fuß vor den anderen, den Blick dauerhaft gen Boden gerichtet. Da sie fast ihre gesamte Aufmerksamkeit darauf gerichtet hatte keine Geräusche zu machen bemerkte sie den Bären der direkt vor ihr stand fast zu spät. Einen Moment lang war sie wie gelähmt und erst als ein scharfer Windzug, verursacht von seiner nach ihr schlagenden Tatze an ihrem Gesicht vorbei zog versuchte sie ihre Angst zu überwinden, dann mit einem erschrockenen Aufschrei machte sie einen großen Satz rückwärts. Schlagartig wurde ihr übel und sie begann stark zu zittern. Ein leiser Fluch verliess ihre Lippen während sie kraflos auf die Knie sank. So lange Zeit hatte sie erfolgreich dagegen angekämpft... sollte sie nun einfach aufgeben? Mühsam rappelte sie sich auf . Ihre Entscheidung war gefallen. Der Bär, nur noch wenige Fuss von ihr entfernt, tapste mit einem wütenden Knurren auf sie zu, als ein lauter Knall ertönte. Direkt vor ihren Füßen brach der Bär tot zusammen. Die Untote sank halb ohnmächtig zu Boden. Doch bevor sich ihr Blick endgültig verdunkelte sah sie einen Mann auf sich zugehen, in der Hand trug er ein Gewehr und an seiner Seite ging eine Wölfin.

Als erstes nahm sie die leisen Stimmen wahr, die sich scheinbar in ihren Kopf zu bohren schienen. Sie wollte sich bemerkbar machen, wollte dass die Stimmen verstummen, damit sie sich weiter in dem dunklen Strudel von Gefühlen und Erinnerungen vergessen konnte. Doch ihr fehlte die Kraft dazu. Erst einige Minuten später, als die Stimmen unerträglich wurden, schlug sie entnervt die Augen auf. Etwas perplex grübelte sie und schnell wurde ihr bewusst, sie befand sich nicht am Ort ihrer letzten Erinnerung. Vorsichtig tasteten ihre Finger nach ihren Waffen –vergeblich. Nur einen Bruchteil von Sekunden verging und schon hatte sie den Entschluss gefasst all ihre Energie auf ihre Flucht zu verwenden. Schon nach den wenigen Zentimetern die sich sich aufrappelte scheiterte ihr Plan kläglich. Entkräftet sank sie zurück in die federweichen Kissen. Ein leises Kichern entschlüpfte ihren Lippen. „Wie ein neugeborenes Kätzchen...„ Augenblicklich verstummten die Stimmen die sie aus der Ferne noch wahrgenommen hatte. So lag sie in dem großen Bett, in der fremden Umgebung und wartete neugierig auf das was nun folgen sollte.


(6)
Caim und Aristiel vernahmen das leise Kichern aus dem Nebenzimmer und unterbrachen ihre leise Unterhaltung. Aristiel gab der alten Frau die mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze ruhig und regungslos an einer Wand des Zimmers auf einem Schaukelstuhl saß ein Zeichen. Sie legte ihre Näharbeit neben sich auf ein Tischchen und erhob sich. Zu dritt betraten sie das Nebenzimmer. Ihnen begegnete der neugierige Blick der Untoten, die deutlich angespannt im Bett lag und wartete. Caim blieb im Hintergrund stehen, während Aristiel sich ihr zusammen mit der Frau näherte. Aristiel musterte die Untote einen Moment abschätzend und wandte sich mit fragendem Blick an die alte Frau. Ohne zu zögern ging die alte Frau zu dem jungen Mädchen, setzte sich auf die Bettkante und nickte. „Kyssandre van Zyra?„ , fragte sie mit leiser Stimme und zog ihre Kapuze zurück. Das junge Mädchen starrte entgeistert in das faltige Gesicht der Alten deren Augen weiss schimmerten. Schnell fasste sie sich jedoch wieder und antwortete mit ebenfalls ruhiger Stimme. „So nannten mich meine Eltern. Was kann ich für euch tun?„ Ein mitleidiges Lächeln huschte über das Gesicht der Alten, sie zog ihre Kapuze wieder ins Gesicht und erhob sich. Aristiel drehte sich mit nachdenklichem Blick zu Caim um. „Und du bist wirklich sicher? Ich möchte meine Zeit nicht verschwenden...„ Er sprach die Worte in einer namenlosen, für Kyssandre angenehm klingenden Sprache. Obwohl sie diese Sprache noch nie zuvor vernommen hatte kannte sie die Bedeutung der Worte. Ihre Verwirrung schien deutlich in ihrer Miene erkennbar, denn ein belustigtes Funkeln trat in die Augen des jungen Mannes.
Caim bemerkte die sichtliche Verwirrung des Mädchens und schmunzelte. An Aristiel gewandt antwortete er. „Ich bin vollkommen sicher.„Langsam drehte Aristiel sich zu ihr um und befahl seinen beiden Begleitern mit einer knappen Geste den Raum zu verlassen. Sein Blick ruhte auf ihr, nur zu deutlich war die Verachtung und sein Misstrauen sichtbar. „Hör mir gut zu Weib, ich werde mich nicht wiederholen.„ Seine emotionslose Stimme liess sie zusammenzucken. „Du stehst nun vor einer Wahl. Einer Wahl die über den Verlauf deines weiteren Lebens entscheidet. Entweder du bleibst hier und lernst von mir deine Macht zu nutzen, oder du gehst.„ Kyssandre legte den Kopf schief. „Von welcher Macht sprecht ihr?„ Sein abschätzender Blick streifte sie. „Entscheide dich.„ Sie musterte seinen kalten Blick. „Ich bleibe.„



(7)
Am nächsten Morgen betrat eine ältere, streng wirkende Frau den Raum und riss Kyssandre mit lauter Stimme aus ihren Träumen. „He junges Ding! Aufstehen! Frühstück bekommst du nach deiner ersten Lektion. Solltest du Hunger verspühren, musst du halt schneller lernen.„ Schlaftrunken erhob Kyssandre sich, schlüpfte in eine schlichte Robe und folgte der Frau in den großen Innenhof. „Ich soll dir beibringen wie du dich in der Gesellschaft bewegst ohne aufzufallen. Als erstes..Steh gerade!„ Ein scharfer Schmerz liess Kyssandre zusammenzucken, als sie sich gerade müde die Augen rieb. Entgeistert starrte sie auf das Buch, welches sie unsanft an der Hüfte getroffen hatte. Sie starrte die Frau verwirrt an. „Starr mich nicht so an, heb das Buch auf.„ Schnell leistete sie dieser Aufforderung folge, um die Frau nicht weiter zu reizen. „Pass auf und lerne.„ Die Frau legte sich ein Buch auf den Kopf, balancierte es einen Moment und ging dann anmutig, mit einem strahlenden Lächeln auf Kyssandre zu. Wenige Meter vor ihr blieb sie stehen und verbeugte sich während sie sich höflich vorstellte. „Alexis Krazors, sehr erfreut.„ Sie trat einige Schritte zurück, sah Kyssandre auffordend an und schien zu warten. Kyssandre legte sich das Buch vorsichtig auf den Kopf, balancierte es rasch aus und atmete tief durch. Mit ruhigen Schritten näherte sie sich Alexis und verbeugte sich vorsichtig. „Kyssandre van Zyra, ebenfalls sehr erfreut.„ Alexis beobachtete sie kritisch. „Etwas eingerostet eh? Trotzdem.. gut gemacht. Komm her und hilf mir mal.„ Mit Kyssandres Hilfe schleppte sie einen schmalen Holzbalken in die Mitte des Innenhofes. „Lauf ein wenig auf dem Balken hin und her.„ Mit zunehmender Begeisterung folgte Kyssandre im Verlauf des Vormittags den Aufforderungen von Alexis. Schliesslich nickte Alexis zufrieden. „Lass uns Frühstücken, Kind.„ Selbst beim Essen musterte die ältere Frau sie aufmerksam, korrigierte sie jedoch nicht. „Wie alt bist du Kyssandre?„ Kyssandre sah überrascht auf. „Ich bin neunzehn.„ „Weshalb hast du dich entschieden zu bleiben?„ „Aus Neugier. Ich bin nur ein einfaches Mädchen, es interessiert mich welche Macht ich besitzen sollte.„ Ein warmes Lächeln spielte um die Mundwinkel der Älteren. Als ein großgewachsener Mann den Innenhof betrat, erhob Alexis sich mit den Worten „Morgen werden wir weiter sehen.„ und verliess sie mit raschen Schritten.
Der Mann trat zu Kyssandre, lächelte als sie sich erhob und streckte ihr eine große Hand entgegen. Sein Händedruck war fest, jedoch nicht schmerzhaft. „Guten Tag Kyssandre, mein Name ist Rent. Ich habe die ehrenvolle Aufgabe dich mit dem Umgang verschiedener Waffen vertraut zu machen.„ Er drückte ihr ein etwa unterarmlanges Holzschwert in die Hand. „Weisst du wie man damit umgeht?„ Überrascht von seiner Frage sah sie ihn an, ohne jedoch zu antworten. Bewegungslos verharrte sie einen Moment und führte dann einen schnellen Schlag gegen seinen Schwertarm aus. Er parierte ihren Schlag scheinbar mühelos. Sie begegnete seinem ruhigen Blick, in dem sie eindeutig Anerkennung lesen konnte. Schweigend musterten sie sich einige Minuten lang. Beide traten gleichzeitig einen Schritt zurück, verbeugten sich voreinander und grinsten sich an. Erneut vergingen einige Minuten, in denen sie sich abschätzend musterten, dann griff er sie an.
Leise stöhnend sank Kyssandre gegen Abend in die hölzerne Wanne die mit heissem Wasser gefüllt war. Schon jetzt hoben sich blaue Flecken überall auf ihrem Körper verteilt von ihrer blassen Haut ab. Vorsichtig massierte sie ihren rechten Arm, der von der ungewohnten Anstrengung schmerzte. Sie verspührte eine seltsame Vorfreude auf den nächsten Morgen.



( 8 )
Aristiel musterte das junge Mädchen, mit der stolzen Haltung vor sich überrascht. Er warf einen kurzen, ungläubigen Blick zu dem Mann und der Frau die hinter ihm standen. Beide lächelten stolz. Mit einer knappen Handbewegung entliess er sie. „Soso.. der Welpe hat sich gemacht wie es scheint...„ Ein munterer Blick striff ihn kurz, dann lächelte sie strahlend. Er griff wortlos nach zwei schmalen Kisten aus dunklem Holz. Beide Kisten liess er vor ihr auf den Boden sinken. Als er sich erhob klang seine Stimme kühl und sein Blick war ernst wie immer. „Nocheinmal bekommst du die Gelegenheit zu entscheiden. Überlege gut.„ Eisblaue Augen fixierten sie kurz, dann nahm er seine Wanderung wieder auf. „Möchtest du deine Macht beweisen, möchtest du mir dienen? Oder Wählst du den Weg des Vergessens, lebst ohne Erinnerungen an die letzen Wochen..?„Die Überraschung in ihrem Blick liess ihn leise lachen. Sie runzelte die Stirn, liess sich auf den Boden sinken und starrte ihn wütend an. „Ich diene niemandem!„ Ihre Stimme zitterte ebenso wie ihre Hand als sie die Kisten öffnete und ein Schwert entnahm. Mit dem Schwert in der rechten Hand erhob sich sich langsam.Einen Moment herrschte Stille, Kyssandre stand dort absolut ruhig, den Blick gesenkt, die Schwertspitze ruhte auf dem Boden. Als sie zu sprechen begann klang ihre Stimme verändert, ruhig und gelassen. „Ich werde mich nie einem Mann unterordnen.. Du hast mich entführt, gezwungen hier zu bleiben. Du hast mir Macht versprochen..wo ist diese Macht?„ Mir ihrer linken Hand hatte sie die Spangen aus dem Haar gezogen. Nun hing es in ihr Gesicht und verdeckte ihm die Sicht darauf. „Ich wähle den Weg der Dunkelheit und des Schattens.„ Als sie den Blick hob um ihn ruhig anzusehen schrak er zurück. Die Entschlossenheit vermischt mit einer unbändigen Wut und gleichzeit einer kalten Ruhe die er sah liessen ihn innerlich zittern.



(9) Kurze Zeit später...

Eine kleine schmale Gestalt huschte zwischen den Bäumen des dichten Waldes hindurch. Schon sah sie helle Lichtstrahlen am Ende des Weges. Noch ein letztes Mal nahm sie all ihre Kraft zusammen, um das Tempo zu beschleunigen. Ihre Lunge brannte und ihr Atem ging keuchend. Sie spührte jeden einzelnden Muskel in ihrem Körper. Noch immer hörte sie hinter sich das Bellen der wütenden Hunde und die lauten Stimmen die sie vorran trieben. Das helle Licht blendete sie, als sie auf die Lichtung stolperte. Einen Moment schloss sie die Augen, genoss die wärmenden Strahlen der Sonne auf ihrem Gesicht und das leise Rauschen des Meeres, das sie umgab. Einige Vögel zwitscherten fröhlich und liessen all das Erlebte unwirklich und fern erscheinen. Ein sanftes Lächeln umspielte ihre Mundwinkel.
Die Männer stürzten dicht hinter dem Mädchen auf die Lichtung und blieben abruppt stehen und das helle Licht blendete sie. Einige Sekunden standen sie bewegungslos dort, dann hatten sich ihre Augen an das Licht gewöhnt. Sie sahen das Mädchen direkt am Rand der Klippen stehen. Einer der Männer wollte sie noch warnen, gerade als sie den Rand überschritt und in die Tiefe stürzte. Selbst die Hunde schwiegen als der Körper des Mädchens mit einem lauten Platschen auf der Wasseroberfläche aufschlug. Ein Mann trat vor, sah kurz über den Klippenrand und schüttelte mit ernster Miene den Kopf.

Als ihr Körper in das eisige Wasser eintauchte raubte ihr die Kälte einen Moment den Atem. Ihr schlichtes Wollkleid sog sich mir Wasser voll und liess sie unbarmherzig in die Tiefe sinken. Mühsam öffnete sie ihre Augen einen Spalt breit. Die Ruhe die sie umgab erweckte die Hoffnung auf Frieden und die Versuchung aufzugeben übermannte sie fast. Eine leise Stimme rief in den schwarzen Tiefen lockend nach ihr. Doch eine plötzliche Woge der Wut überkam sie und so öffnete sie entschlossen die Augen. Trotz rebellierender Muskeln kämpfte sie sich Meter für Meter hoch zur Wasseroberfläche. Es war ihr nie schwer gefallen längere Zeit die Luft anzuhalten, doch in diesem Moment fühlten sich ihre Lungen an als könnten sie jeden Moment zerbersten. Ihr Gesicht tauchte aus dem Wasser auf und sie schnappte einige Minuten lang keuchend nach Luft wie ein Fisch auf dem Trockenen. Der Strom hatte sie weit fort getrieben von den Klippen und ein Gefühl der Erleichterung breitete sich in ihr aus. Aus der Ferne vernahm sie leise Stimmen, die aufgeregt etwas riefen und sich scheinbar näherten. Ihr Blick wurde langsam unklar, die Stimmen rückten in weite Ferne und das Atmen fiel ihr schwer. Gerade als ihr Kopf zurück ins Wasser glitt, griffen einige Hände nach ihr, um sie hoch zu ziehen. Ihr Körper wurde aus dem Wasser gehievt und auf einen harten Untergrund gelegt. Dann umgab sie eine wohltuende Schwärze.
22.7.06 11:41
 


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